Der Unfalldatenspeicher (UDS) ist eine Art „Black-Box“, die im Fahrzeug (z. B. unter dem Sitz) eingebaut und an die Fahrzeugelektrik angeschlossen wird. Das Gerät ist in der Lage für eine bestimmte Zeit vor und nach einem Unfall Daten über die Bewegungsbahn des Fahrzeuges sowie die Geschwindigkeit und die Beleuchtung (Fahrlicht, Bremslicht, Blinker usw.) automatisch aufzuzeichnen. Mit Hilfe dieser Daten soll sich ein Unfall wesentlich detaillierter rekonstruieren lassen, als dies anhand der Unfallspuren und der Fahrzeugbeschädigungen möglich ist.
Die Kosten für das Gerät und den Einbau hängen vom jeweiligen Fahrzeugtyp ab, liegen jedoch etwa in einer Größenordnung um 750 €.
Seitens unserer Mitglieder wurde angefragt, ob wir für den Einbau eines Unfalldatenspeichers (UDS) Rabatt bei unseren Versicherungsbeiträgen gewähren.
Um dieser Frage nachzugehen, haben wir uns im Jahre 2003 mit einem Betrag in Höhe von 3.000 € am Einbau von UDS-Geräten in Einsatzfahrzeugen eines unserer Mitglieder beteiligt. Es sollte sodann geprüft werden, ob der Einbau von UDS-Geräten zu einer Reduzierung des Schadenrisikos führt. Hierzu wurden zwei Gruppen von jeweils 10 vergleichbaren Fahrzeugen gebildet. Eine Gruppe Fahrzeuge wurde mit UDS-Geräten ausgerüstet, die andere nicht.
Für den Zeitraum 2004 - 2007 wurde eine Schadenauswertung vorgenommen, die wie folgt aussieht:
Fahrzeuge mit UDS-Geräten:
| 57 | Vollkaskoschäden
| Gesamtaufwand | 90.662,15 € |
22
| Teilkaskoschäden | Gesamtaufwand | 12.180,24 € |
| 23 | Kfz-Haftpflichtschäden | Gesamtaufwand | 41.027,49 € |
| 102 | Schadenfälle (gesamt) | Gesamtaufwand | 143.869,88 €
|
Fahrzeuge ohne UDS-Geräte:
| 35 | Vollkaskoschäden | Gesamtaufwand | 79.631,98 € |
| 14 | Teilkaskoschäden | Gesamtaufwand | 5.700,91 € |
| 25 | Kfz-Haftpflichtschäden | Gesamtaufwand | 47.601,59 € |
| 74 | Schadenfälle (gesamt) | Gesamtaufwand | 132.934,48 € |
Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Teilkaskoschäden für eine Risikobewertung ungeeignet sind, da der Eintritt solcher Schadenfälle außerhalb der Einflussmöglichkeiten eines Fahrers liegt, wurden Teilkaskoschäden bei der nachfolgenden Bewertung außer Acht gelassen. Sodann wurden die durchschnittlichen Leistungen pro Schadenfall errechnet. Das Ergebnis sieht wie folgt aus:
Fahrzeuge mit UDS-Geräten:
Vollkaskoschäden | Durchschnittlicher Aufwand
| 1.590.56 € |
| Kfz-Haftpflichtschäden | Durchschnittlicher Aufwand | 1.783,80 € |
| Schäden (gesamt) | Durchschnittlicher Aufwand | 1.646,12 € |
Fahrzeuge ohne UDS-Geräte: Vollkaskoschäden
| Durchschnittlicher Aufwand | 2.275,20 € |
| Kfz-Haftpflichtschäden | Durchschnittlicher Aufwand | 1.904,06 € |
| Schäden (gesamt) | Durchschnittlicher Aufwand | 2.120,56 € |
Die Darstellungen lassen erkennen, dass durch den Einbau von UDS-Geräten die Schadenhäufigkeit nicht verringert werden konnte. Fahrzeuge mit UDS-Geräten waren vielmehr häufiger an Schadenfällen beteiligt als Fahrzeuge ohne UDS-Geräte.
Andererseits zeigen die Zahlen, dass der durchschnittliche Schaden bei Beteiligung von Fahrzeugen mit UDS-Geräten zu durchschnittlich geringeren Schadenaufwendungen geführt hat. Diese Aussage relativiert sich allerdings dann, wenn man berücksichtigt, dass in der Gruppe der Fahrzeuge ohne eingebaute UDS-Geräte ein Schadenfall enthalten ist, in dem Vollkaskoaufwendungen in Höhe von 17.004,06 € und Kfz-Haftpflichtaufwendungen in Höhe von 14.457,76 € angefallen waren. Betrachtet man diesen Schadenfall aus „Ausreißer“ und lässt ihn unberücksichtigt, würden sich die durchschnittlichen Schadenaufwendungen wie folgt berechnen:
Durchschnittlicher Vollkaskoschaden
| 1.842,00 € |
| Durchschnittlicher Kfz-Haftpflichtschaden | 1.381,00 € |
| Durchschnittlicher Schaden (gesamt) | 1.651,24 € |
Auf der Grundlage unseres Datenmaterials bleibt daher als Ergebnis festzuhalten, dass durch den Einbau von UDS-Geräten eine Reduzierung der Schadenaufwendungen nicht erreicht werden kann. Eine Rabattierung der Versicherungsbeiträge können wir daher nicht vornehmen.